Klarheit

Wir müssen reden. Und zwar über Bewertungen.

 

Der Satz „wir müssen reden“ löst wahrscheinlich bei vielen Partnern oder Freundinnen Panik aus, obwohl er vermeintlich ganz sachlich ist und miteinander zu kommunizieren toll ist. Und trotzdem ist da dieser unschöne Beigeschmack, der schon da ist bevor überhaupt etwas geschehen ist. Bewertungen zu haben ist an und für sich nicht schlimm, solange wir frei von der Bewertung handeln können. Und dem ist oft nicht so.

 

Sich seiner eigenen Bewertungen bewusst zu werden, ist der erste Schritt zu mehr Klarheit. Klarheit darüber zu erhalten, wer du wirklich bist. Und Klarheit bezüglich der wahren Natur der Dinge zu bekommen.

 

Lass uns zu Erst mal eine Bewertung für die Bewertung finden. Für mich ist eine Bewertung eine Interpretation, wie gut oder schlecht. Ich sehe mehr, als wirklich ist. Und hier fangen wir an auf unsere Bewertungen zu reagieren und gerade, wenn die Bewertung negativ ist, hat das Nachwirkungen.

 

Zum Beispiel blicke ich bei Yogastunden in ganz unterschiedliche Gesichter. Da gibt es zum Beispiel freundliche, gestresste, unfreundliche, entspannte, verbissene und liebevolle Gesichter.
Bei den unfreundlich Dreinblickenden bin ich am schnellsten in den negativen Bewertungen und die Bewertungen ziehen meistens ziemliche viele Geschichten nach sich. Warum schaut der den so unfreundlich? Keiner zwingt ihn hier zu sein! Wäre er doch zu Hause geblieben. Vielleicht mache ich auch die Yogastunde nicht gut und deshalb schau er so unfreundlich…

 

Und schon bin ich nicht mehr in einer liebevollen Verbindung mit ihm und manchmal auch nicht mehr mit mir. Und das hat eine Auswirkung auf mein Verhalten ihm gegenüber. Ja, das ist eine kleine Situation. Aber genau hier ist es leicht zu beginnen, Bewertungen aufzudecken. Und dann können wir das Ausbreiten – aber vorsichtig dosieren bitte. Wenn du versucht jede Minute deine Bewertungen aufzuspüren, wird das wahrscheinlich sehr anstrengend für dich. Und bitte niemals mit den Bewertungen kämpfen. Es ist ein Gedanke. Du bist frei ja zu ihm zusagen oder dankend abzulehnen.

 

Was mache ich wenn ich nicht meiner ersten Bewertung folgen will? Ich mache mir Bewusst, dass „unfreundlich“ in diesem Moment nur meine Bewertung ist. Puhhh, es ist schon viel entspannter. Ich nehme wahr: Ok, ich denke er sieht unfreundlich aus. Woran merke ich das? Die Gesichtsmuskeln sind angespannt und die Mundwinkel gehen nach unten. Welche Interpretation könnte ich sonst noch finden? Er ist konzentriert.
Schon bin ich wieder ganz offen ihm gegenüber und freue mich, dass er da ist.

Eine einfache Methode, wie du unterwegs üben kannst, ist Dinge bewertungsfrei zu benennen. Haus, Mensch, Hund, Baum, Straßenbahn, Aktenkoffer, Mensch. Oder zuhause: Tisch, Waschbecken, Kühlschrank, Boden, Stuhl. Wichtig ist, wirklich dabei zu bleiben und nicht in Bewertungen abzurutschen „dreckiger Tisch, glänzender Boden, schöner Stuhl“. Hier geht es darum alle Bewertungen – ob gut oder schlecht rauszunehmen. Warum du auch das gute rausnehmen solltest? So kannst du Distanz üben und zwar zu gut und schlecht.

 

Die nächste Übung kannst du immer anwenden, wenn dir danach ist. Entwickle über die Zeit ein Blick für dich, wann du stark in Bewertungen verstrickt bist und nutze die Übung.

 

Falte ein DIN A 4-Blatt in der Hälfte. Auf der linken Seite schreibe Bewertungen die du gerade hast – heute hattest oder von dir kennst. Schreibe so viele du willst – bis du zufrieden bist. Und dann nimm dir die Rechte spalte vor. Finde bewertungsfreie Sätze dafür.

 

Zum Beispiel:
Blöder Mensch, der mir mit dem Fahrrad den Weg abgeschnitten hat  Mensch, der Fahrrad fährt.
Frau, die mich im Seminar böse anschaut  Frau, die ihr Gesicht in Falten legt
Blöde Mira, die beim Anmoderieren schon wieder die Zeitangabe vergessen hat  Mira, die beim Anmoderieren die Zeitangabe vergessen hat
Nervige Hüfte, die bei Hüftöffnern sich immer noch steif anfühlt  Hüfte, die Hüftöffner macht
Unfreundliche Frau an der Kasse, die mich absolut unverschämt behandelt.  Frau an der Kasse, die eine andere Umgangsform pflegt als ich.

 

Ich komme manchmal richtig in den Flow und nehme positive Sätze dazu.

 

Scheiß S-Bahn, die so pünktlich gefahren ist, dass ich sie verpasst habe und nun zu spät komme. Wunderbare S-Bahn, die so pünktlich gefahren ist, dass ich mich hier noch 5 Minuten ausruhen kann und dann vorbereitet und zu spät komme.
Stressige Natur in der ich immer Heuschnupfen habe. Wunderbare Natur, die ich genießen kann. Wunderbarer Körper, der mich reinigt und verteidigt.

 

Viel Spaß beim Ausprobieren. Ich freue mich, wenn es dir mehr Spielraum gibt mit Situationen und dir umzugehen! Teile mir deine Erfahrungen mit. Bin schon ganz gespannt.

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